Bei hitzigen und fast schon tropischen Temperaturen machten sich am Montag, den 22. Juni 11 Schülerinnen und 16 Schüler mit ihrem neuen Klassenlehrerteam per Zug und handylos auf den Weg ins Bayrische Lenggries, hinter München. Jedes Umsteigen, jeder Gleiswechsel, jedes Kofferschleppen führte schon gleich zu Beginn zu ungeahnten Schweißflüssen, stieg doch das Thermometer schon früh auf 34 Grad und fiel leider auch gleich der sitzplatzreservierte ICE aus. Das konnte der ausgelassenen Stimmung und guten Laune jedoch keinen Abbruch tun. Angekommen im äußerst gemütlichen Jugendgästehaus Isarwinkel klärte Herbergsvater Ruben in seiner unvergleichlichen Art über Hausregeln und Besonderheiten auf und gab sogar gleich einen Ausblick auf die zu erwartenden Abendessen, die seine Frau Daniela auf dem Speiseplan hatte. Durch eine Dorf-Rallye konnten alle den beschaulich Bayrischen Ort Lenggries erkunden und insbesondere die Eisdiele in Augenschein nehmen. Die Restenergien konnten bei Fußball, Frisbee, Federball, Tischtennis usw. bis 22.00 Uhr verbraucht werden. Danke an die toleranten Nachbarn! Besonders intensiv genutzt wurde der Kaltwasser- bzw. Sprudelspender im Aufenthaltsraum, der einen guten Gegenpol zur unglaublichen Hitze bieten konnte.
Was könnte einem morgens Besseres passieren, als mit gutgelaunten Mitschülerinnen und Mitschülern, zwei wunderbaren Streichelhunden, einem abwechslungsreich bestückten Frühstücksbuffet, einem schönen Draußenbereich und jeder Menge Tatendrang in den Tag zu starten, zu frühstücken und sich seinen Tagesproviant zusammenzustellen? Das kann Schule leider nicht bieten. Auch für unser Geburtstagskind Leon war das ein schöner Start in seinen 14. Geburtstag.
Das erste größere Ziel am Dienstag war der fantastische Kletterwald Blomberg: Deutschlands höchster Hochseilgarten, der in den natürlichen Bergwald integriert ist und mit seinen 10 Parcours für alle stundenlangen Kletterspaß bot. Auf den Blomberg gelangten wir von Bad Tölz aus mit der Seilbahn, für viele war das die erste Fahrt in einer Bergbahngondel. Viel Mut, Ausdauer, gegenseitige Unterstützung und Motivation konnten hier unter Beweis gestellt werden. Belohnt wurde dieser tolle Einsatz durch Kaiserschmarrn auf der benachbarten Alpe. Bergabwärts wurde gerodelt und zwar mit der Sommerrodelbahn oder wahlweise wieder mit der Seilbahn (weil schon die Hinfahrt sooo schön war.) Trotz der großen Tagesanstrengungen, der An- und Abreise zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln, war nach dem Abendessen noch lange nicht Schluss. Es wurde in allen erdenklichen Varianten gespielt und es konnte neben Herren Großmann noch Nic als unschlagbarer Hitster-Champion ermittelt werden. Unglaublich, wie gut er sich in allen musikalischen Gebieten auskennt!
Der heiße Mittwoch bot eine echte Herausforderung, an deren Ende eine Abkühlung in der Isar stand. In hautengen Neoprenanzügen, die es in allen erdenklichen Größen gab und die die Hitze noch schlimmer spürbar machten, liefen wir zur Einstiegsstelle an der eisblauen und herrlich frischen Isar, um dort in die Kunst des Raftings eingeführt zu werden. Schon das Waten durch den kristallklaren Fluss und das Wildwasser-Schwimmen entschädigte für das Braten in den Anzügen. In vier Booten ging es dann die Isar hinunter, von Lenggries bis nach Bad Tölz, wo eine ganz schön erschöpfte Truppe dann am Nachmittag die Rückfahrt nach Lenggries antrat. Durch riesengroße Portionen Kaiserschmarrn mit Früchten und Apfelmus konnte der Energietank wieder gefüllt werden. Erstaunlich, dass meist sofort mit Rückkehr in die Jugendherberge auch alle anderen Energien wieder zurückkehrten, sodass die Nachtruhe von 22.00 Uhr immer ordentlich ausgereizt wurde. Spannend war, dass die handylose Zeit zwar dazu führte, dass viele keine zeitliche Orientierung mehr hatten, auch beim Aufwachen, aber auch dazu, dass viel miteinander geredet, getobt und gelacht wurde. Wie schön, dass sich alle auf dieses Experiment eingelassen haben, auch die Eltern, die eben während der Woche nicht gleich von ihren Kindern über alle informiert werden konnten. Diese mussten sich auf die Berichterstattung aus Lehrerhand verlassen.
Am Donnerstag wurde kurzerhand der geplante Floßbau aufgrund der Hitze und des fehlenden Schattens am See zugunsten einer neuerlichen Bergpartie über den Haufen geworfen. Mit der Brauneckbahn ging es stattdessen weit hoch auf den Brauneck, auf luftige 1556 Meter Höhe, zu Fuß dann weiter bis zum Gipfel und einen Rundwanderweg herum. Die traumhafte Aussicht bis zur Zugspitze, die Gondelfahrt und die wesentlich angenehmeren Temperaturen machten uns wieder einmal mehr zu Bergliebhaberinnen und Bergliebhabern.
Der glühend heiße Heimweg ließ eigentlich nur einen Schluss zu: Wir müssen jetzt endlich ins Freibad! Das Lenggrieser Naturfreibad bot dann am Nachmittag alles, was das schwitzende Herz begehrte. Im kühlen Nass kamen alle auf ihre Kosten. Und trotz der Aussicht auf Schnitzel zum Abendessen gönnten sich einige noch die obligatorischen Freibad-Pommes, denn da schmecken sie ja bekanntlich am besten.
Wildes Spielen bis 22.00 Uhr, unzählige Kontakte mit dem Nachbarn, der unermüdlich den Ball aus seinem Garten zurückgab, und dann war am letzten Abend trotzdem noch lange nicht Schluss. Das Deutschlandspiel machte ein Verschieben der Schlafenszeit notwendig. Die (mehr oder weniger) Fußballinteressierten fanden sich im Aufenthaltsraum vor der Leinwand und dem Beamer ein, der Rest nutzte die gewonnene Zeit anderweitig. Leider blieb der erhoffte Sieg für Deutschland aus, was nicht passiert wäre, hätte man im Vorfeld auf die Aufstellungstipps der anwesenden Trainer in der 7a gehört…
Nach einem letzten leckeren Frühstück, der Zimmerreinigung und Zimmerkontrolle, dem Kofferpacken und Abschiednehmen schwang in der müden und schwitzenden Gruppe dann doch auch wieder ein bisschen Vorfreude auf die Eltern daheim mit. Zum Glück wurde nicht schon all das Erlebte per WhatsApp mitgeteilt, sodass es noch einiges zu erzählen gab. Noch bevor der Stuttgarter Bahnhof wegen eines Brandes lahmgelegt wurde, kam die noch immer muntere Truppe dann am Freitag wieder in Weil der Stadt an. Es wurde nicht nur der Zielbahnhof pünktlich erreicht, sondern auch alle Ziele, die die Klasse sich für die Fahrt gesetzt hatte, nämlich das Miteinander zu stärken, sich gegenseitig besser kennenzulernen, respektvoller miteinander umzugehen und schöne gemeinsame Erlebnisse zu teilen.